Die Female Szene ist bis jetzt noch nicht jedem gänzlich bekannt, doch die Teams der drei deutschen Gestirne mousesports, faculty und aTTaX sagen jedem noch so kleinen Fan etwas. Die erfolgreiche Teilnahme an den beiden EMS Seasons und glorreiche Spiele in den ESWC Turnieren sind nur ein kleiner Auszug der Erfolgsgeschichte dieser Teams. Für die Galerie fehlt also eigentlich nur noch eine vergleichbare ESL Pro Series nur für Frauen. In der ESL gibt es seit kurzem die Female Sektion - hier werden ausschließlich Turniere für Frauen angeboten, darunter auch die „Deutsche Female Meisterschaft". Eine kleine Ausgabe der EPS für das vermeintlich schwächere Geschlecht, das aber genau so gut mit der Maus kann, wie die männlichen Kollegen. Oft stehen die Teams im Schatten der bekannteren Male Teams, doch die Female EMS erreichte in ihrer vergangenen Saison eine ähnliche Anzahl von Zuschauern, wie die der männlichen Kollegen. Doch wenden wir uns nun dem Spielerischen zu.
Zehn dieser Spielerinnen wussten mit der Maus umzugehen und kein Team der internationalen Frauenelite hätte wohl ein Problem damit, einem frischgebackenem EPS Team auf dem Server zu zeigen, wer die Hosen anhat. Derzeit zeichnet sich in der Deutschen Female Meisterschaft schon ähnliches ab wie in der EPS. Die weiblichen Teams von mousesports und aTTaX dominieren und können sich auch gut vom weiteren Feld abkapseln. Trotzdem lauern bis zum fünften Platz weitere Topteams auf ihre Chance. Die Spannung ist von der Aufstellung her also schon einmal gegeben.
„Wir werden immer belächelt von der Male-Szene - wenn diese dann jedoch im Training gegen uns verlieren ist das Geweine groß. Deshalb fände ich es gut, wenn dieses Statement nicht gleich wieder zerrissen wird, denn wir trainieren genauso hart wie ihr. Ich denke vier Mal die Woche Training und zwischendurch Bootcamps geben uns auch die Berechtigung angesehen zu werden und nicht nur als Promotionpüppchen belächelt zu werden." Svenja „SheeVa" H.
Mehr Turniere statt Abstellgleis
Wer sich ein solches Spiel ansieht wird schnell etwas merken: Die HLTV Zuschauerzahl kommt kaum an die vergleichbarer Partien von mousesports vs. mTw.dk heran. Meistens pendelt sich die Zahl der Zuschauer während der Deutschen Female Meisterschaft bei 20-100 ein. Einzig und allein die Begegnungen im oberen Bereich sprengen dann auch schon mal die 100er Grenze, doch auch diese Zahl kann den internationalen Spielen nicht das Wasser reichen. Auch wenn dort Werte von über 5000 HLTV Zuschauern eher eine Seltenheit sind, wächst das Interesse - und das ist nicht nur an den wachsenden Zuschauerzahlen zu sehen.
Leider sind die nationalen Turniere der Frauen rar und selten gesehen. Aus der Szene wünscht man sich daher mehr Aktivität und mehr Cups, wie die der Szeneseite Zockerweibchen, die mit attraktiven Preisen locken. Jedoch findet dieser Cup nur zwei Mal im Jahr statt. Natürlich gibt es Turniere wie den ESWC, der auch mit einem enormen Preisgeld lockt, jedoch sind hier nur die Besten der Besten vertreten und die kleinen Teams müssen sich mit den wenigen nationalen Cups abfinden. Und auch Lans wie die Dreamhack locken immer mehr Frauenteams in den Norden. Zweifelsohne geben sich faculty.female, Les Seules, emuLate und Co. keine Blöße, und wollen sich dort ein Stück des Preisgeldkuchens sichern.
„Desweiteren werden Turniere mit hochdotierten Preisgeldern angeboten, welche nur von Female-Teams gespielt werden dürfen. Wer würde da nicht mitmachen wollen?!Im Female Bereich ist es auch viel schneller möglich durch hartes Training und ein zusammengeschweißtes Team etwas zu erreichen, weil es nun mal nicht soviel Konkurrenz gibt wie bei den Männern." Svenja „SheeVa" H.
Ohne Freundschaft geht nichts
Dabei sind ganz entscheidende Dinge zu beobachten: Obwohl einige Female Teams aus den großen Clans sich Tipps von den männlichen Kollegen holen, haben sie doch ihre ganz eigene Spielweise. Ein Vergleich ist quasi kaum möglich, denn die Frauen spielen viel bedachter und langsamer. Des Weiteren sind die meisten Schritte überlegt und geplant, bevor sie passieren. Katzen gegen Elefanten wäre eine passende Umschreibung für diese Gegenüberstellung. Wer ein Frauenteam schon einmal live hat spielen sehen, der wird einen weiteren Unterschied ausgemacht haben. Bereits vor dem Match wird viel mehr gesprochen, als es bei gewöhnlichen Male Teams der Fall ist. Dieser Aspekt hat aber auch ebenso seine Schattenseite. Frauen plauschen gerne und viel, da kann sich das geplante Training aufgrund von intensiven Taktikbesprechnungen auch mal um ein paar Stunden verschieben. Die Devise lautet dabei: Weniger Einzelskill, dafür aber mehr Taktik, mehr Teamplay und mehr Vertrauen.
Female Teams treffen sich nicht nur zwei bis drei Mal zum trainieren, sondern es wird auch mal das gemeinsame Jubiläum gefeiert. Verständnis wird hier ebenso großgeschrieben wie Freundschaft. So kommt es oft vor, dass sich Teile des Teams, im besten Falle natürlich die ganze Truppe, auch mal privat treffen um gemeinsam zu feiern - fern von jeglichen elektronischen Geräten. Kann das jedes gewöhnliche Mixteam von sich behaupten? Zugleich werden auf den deutschen Events der Männer auch immer mehr weibliche Zuschauer gesichtet.
„Das besondere ist, dass man unter Frauen spielt. Das klingt komisch, ist aber so! Man mag ja den Freundschaften zwischen Frauen immer unterstellen, dass Zickereien vorprogrammiert sind, aber für mich macht Female Gaming genau da Spaß, wo ich das Problem gar nicht habe. Sprich, für mich und mein Team stellt sich die Frage nach der Zickerei nicht. Keine Frage gibt es Teams, die das nicht von sich behaupten können und die Wechselfreudigkeit ist ja auch ein Aspekt der Counter-Strike-Szene der Frauen, aber ich kann für mein Team sagen, dass wir deswegen zusammen spielen, weil wir unheimlich viel Spaß zusammen haben. Weil wir außerhalb des Servers gemeinsam Dinge unternehmen und so eine ausgeprägte soziale Struktur haben, die genau dieses tolle Spielgefühl fördert. Hätte ich also ein Team, bei dem die freundschaftliche Komponente nicht gegeben wäre, dann würde ich dort auch nicht spielen wollen." Melanie „beyoNd" A.
Frauen vs. Männer - Das Match des Jahres 2009?
Schlussendlich wurde der nationale Vergleich dadurch gestärkt, dass die Deutsche Female Meisterschaft nicht für jedes X-beliebige Team zugängig ist. Clans, die mit den Gedanken an ein Female Team spielen, können sich gezielt ein frei verfügbares Team heraussuchen und dieses unterstützen. Clan A kauft sich nun nicht mehr Team X aufgrund von alten Ergebnissen, die das Team derzeit gar nicht mehr bringt, sondern kann das Team anhand von aktuellen Ergebnissen messen. Gegenwärtig sind auch noch ein paar Teams ohne finanzielle Hilfe, die sich über Zuschüsse für die zweite Season der Deutschen Female Meisterschaft sicher freuen würden.
Was uns die Zukunft in der Female Szene noch bringt bleibt abzuwarten, allerdings sind sich die Frauen in einem Punkt einig: Der Tag an dem sie ein Männerteam öffentlich vorführen werden wird kommen, es fragt sich nur noch wann. Das Management der ESL stellt sich auch schon auf ein solches Event ein, es steht nur noch im Raum wer, wann und wo spielen wird. Ohne Frage wäre ein Showmatch auf den EPS Finals der ideale Austragungsort für ein solches Spektakel, nur die passenden Kontrahenten müssen noch gefunden werden.
„Wohin es mit der Female-Sektion mal gehen wird, lässt sich schwer voraussehen. Dass sich für Frauen-Turniere und -Teams Sponsoren finden lassen, sollte bekannt sein. Es ist also durchaus denkbar, dass wir die Sektion künftig vermarkten und kleinere Preisgeldturniere laufen lassen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das aber auf deutscher Ebene nicht konkret geplant. Dafür gibt es ja noch die europäische ESL Major Series mit 1500€ Preisgeld. Ziel ist es zuerst, die Sektion mit Leben zu füllen und eine angenehme Spielatmosphäre zu bieten. Spielerinnen anlocken hat Priorität, und das geht nun mal in erster Linie durch Qualität und nicht durch Preisgelder, auf die nur eine Handvoll Teams überhaupt Chancen haben." David „Affentod" Hiltscher
Quelle:mtw
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