Konsolenbesitzer durften bereits im vergangenen Jahr auf die Dächer steigen und in Mirror’s Edge mit Faith hoch über den Straßen der Stadt vor der Polizei flüchten oder ein bestimmtes Ziel erreichen. Seit wenigen Tagen dürfen nun endlich auch PCler allen Mut zusammennehmen und ihre Fähigkeiten als Runnerin unter Beweis stellen. Ob sich die hübsche Halbasiatin dabei auch auf dem heimischen Rechner ganz gut anstellt oder schnell eine astreine Gesichtsgrätsche hinlegt, erfahrt ihr im Test.
Bloß nicht nach unten schauen!
Faith hat kein ruhiges Leben, denn sie ist eine Runnerin. Und Runner werden in der modernen Zivilisation von Mirror’s Edge ganz und gar nicht gern gesehen, schließlich wird die Gesellschaft vom Stadt konrolliert. Was momentan stark im Kommen ist (totale Überwachung von Daten) ist in Mirror’s Edge mittlerweile Alltag. Informationen sind ein wichtiges und gefährliches Gut – Faith beförderert solche Informationen von A nach B. Als eines Tages der amtierende Bürgermeister getötet wird, soll Faiths Schwester dafür geradestehen – doch eben jenes will Faith verhindern und macht sich auf die Jagd nach den Übeltätern. Was sie dabei erlebt, gilt es in der rund fünf- bis sechsstündigen Adrenalingranate Mirror’s Edge herauszufinden.
Stillgestanden!
Die ersten Minuten von EAs Parcour-Abenteuer spielten sich wirklich genau so, wie ich es mir für den PC vorgestellt hatte. Die Steuerung ist sehr intuitiv und beschränkt sich glücklicherweise auf wenige Tasten – wilde Kombinationen, bei denen sich die Finger verknoten, kommen also nicht vor und nach dem kurzen Tutorial und einigen Spielminuten habt ihr den Dreh auch schon raus.
Jetzt gilt es Geschwindigkeit aufzubauen, um so möglichst schnell und elegant – und damit auch sehr unterhaltsam – zum Ziel zu kommen. Hier liegt die große Stärke von Mirror's Edge - und die größte Schwäche. Es mag noch so genial sein, wenn man unter Rohren hindurchrutscht, mit einem gekonnten Satz den Zaun überwindet, in Zeitlupe einen beeindruckenden Sprung von einen Gebäude zum nächsten hinlegt, die dortige Tür eintretet und mit einer gewagten Kombination aus Wallrun und Wallclimb ins nächste Stockwerk gelangt, ohne – wie es jeder normale Mensch tun würde – die Rolltreppe zu benutzen. Doch habt ihr einmal nicht diese Geschwindigkeit drauf, wisst ihr mal nicht sofort, wo es langgeht oder geht ein Sprung zum zweiten oder dritten Mal schief, verliert Mirror’s Edge die Kunst der Begeisterung – auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist.
Schlimmer ist jedoch, wenn man gerade mit Adrenalin zugedröhnt auf ein schräges Glasdach springt, dabei von einem Helikopter beschossen wird und... das Spiel hängen bleibt. Und dann ein zweites, und ein drittes Mal. Ein schneller Blick ins Internet und schon ist der Patch gefunden – aber wieso kann man sowas nicht vor dem Release hinbiegen? Schöner Ausblick
Nach dem Patch läuft Mirror’s Edge dann aber wieder reibungslos – und sieht dabei nach wie vor wunderschön aus! Wer ein einigermaßen aktuelles System hat, darf sich auf eine wunderschöne Stadt mit gewollt-tristen Außenarealen und farbenfrohen Räumen freuen. Auch die Animationen, ob nun beim Springen, Laufen, Rutschen oder Kämpfen, sehen sehr schick aus und wirken durchaus realistisch.
Zusammen mit der Tatsache, dass ihr eure Füße und Arme sehen könnt, sorgt das für ein tolles Spielgefühl, das vom klasse Sound sogar noch besser wird. Nicht nur die Hintergrundmusik (die Musik-CD mit dem Hit „Still Alive“ inkl. Einigen Remixes liegt übrigens bei) sondern auch die Effekte und die Sprachausgabe sind ordentlich und wenn Faith wie wild durch die Gegend rennt, dann macht sich das auch an ihrer Atmung bemerkbar. Die „neuen“ Physik-Effekte sind zwar eine nette Dreingabe und sehen auch schick aus, wirklich auffallen tun sie jedoch nicht.